Der Köhler vom Hessenpark: Ein seltener Beruf lebt im Taunus wieder auf

Im Freilichtmuseum Hessenpark bei Neu-Anspach im Taunus lebt eine fast vergessene Tradition wieder auf: Alexander Wick arbeitet dort als Köhler – ein Beruf, der im Mittelalter weit verbreitet war, heute aber kaum noch existiert. Mit viel Geduld und handwerklichem Geschick baut er Meiler, also geschlossene Holzhaufen, die über Wochen unter Sauerstoffmangel langsam schwelen und dabei Holzkohle erzeugen. Das Verfahren ist uralter Bestandteil der hessischen Kulturgeschichte und wird nun im Museum authentisch rekonstruiert.

Wick hat sich das Köhlerhandwerk autodidaktisch angeeignet. Über Jahre hinweg studierte er historische Quellen, experimentierte mit verschiedenen Holzarten und Stapeltechniken. „Es ist eine Mischung aus Erfahrung, Gefühl und Wissen“, beschreibt er den Prozess. Der Meilerbau allein dauert mehrere Tage – danach folgen Wochen der Pflege, bei denen Temperatur und Rauchentwicklung ständig überwacht werden müssen. Das Ergebnis ist hochwertige Holzkohle, die nicht nur für Grillzwecke, sondern auch als historisches Demonstrationsobjekt dient.

Im Hessenpark ist das Köhlerhandwerk Teil eines breiteren Bemühens, traditionelle Berufe und ländliche Lebensweisen des 18. und 19. Jahrhunderts zu bewahren. Besucher können den Arbeitsprozess live verfolgen und mit dem Köhler ins Gespräch kommen – allerdings immer aus sicherem Abstand, da der Meiler extrem heiß ist. Die Rückbesinnung auf solche alten Techniken stößt bei Jung und Alt auf großes Interesse und unterstreicht die Bedeutung von kultureller Bildung im Freilichtmuseum.

Quellen: FAZ Online