In der Kunsthalle Moritzburg in Halle ist ab sofort eine bahnbrechende Ausstellung zu sehen, die dem vergessenen Avantgarde-Fotografen und Maler Edmund Kesting gewidmet ist. Kesting, geboren 1892 in Dresden, galt in den 1920er Jahren als einer der innovativsten Vertreter der experimentellen Fotografie in Deutschland. Doch seine künstlerische Arbeit wurde sowohl unter nationalsozialistischer Herrschaft als auch in der frühen DDR systematisch diskreditiert und marginalisiert.
Die Ausstellung „Edmund Kesting – Zwischen Experiment und Erinnerung“ versammelt über 200 Werke aus allen Schaffensphasen des Künstlers, darunter Fotomontagen, Lichtzeichnungen und Porträts. Besonders eindrücklich sind seine Selbstporträts aus den 1930er Jahren, die trotz der politischen Repression eine bemerkenswerte ästhetische Freiheit bewahren. Die Kuratorinnen betonen, dass Kesting nie offiziell verboten wurde, aber durch Ausschlüsse aus Ausstellungen und fehlende Förderung faktisch zum Schweigen gebracht wurde.
„Es ist eine historische Korrektur“, sagt die leitende Kuratorin Dr. Lena Hartmann. „Kesting hat die deutsche Fotokunst nachhaltig beeinflusst, doch sein Name fehlt lange Zeit in den Lehrbüchern.“ Mit der Schau in Halle soll nicht nur sein künstlerisches Vermächtnis sichtbar gemacht, sondern auch die Mechanismen kultureller Unterdrückung thematisiert werden. Die Ausstellung läuft bis Januar 2027 und wird von einem wissenschaftlichen Begleitprogramm begleitet.
Quellen: MDR – Nachrichten