In Erfurt eröffnete kürzlich eine Ausstellung, die sich mit einem ungewöhnlichen Phänomen der frühen 1990er Jahre beschäftigt: dem plötzlichen Aufkommen von Erotikshops in ostdeutschen Provinzstädten – auch in Thüringen. Die Schau zeigt anhand von historischen Fotos, Werbematerialien und Zeitzeugenberichten, wie der Nachholbedarf nach westlichen Konsumgütern nach dem Mauerfall auch in ländlichen Regionen zu unerwarteten Entwicklungen führte.
Die Ausstellung macht deutlich, dass Erotikläden zunächst als Symbol für Freiheit und gesellschaftliche Öffnung galten. In Städten wie Gera, Jena oder Weimar entstanden innerhalb weniger Jahre zahlreiche solcher Geschäfte, oft in ehemaligen Ladenlokalen der DDR. Doch der Hype war von kurzer Dauer. Mit der zunehmenden Digitalisierung und dem Aufkommen von Pornografie im Internet verloren die physischen Shops ab Mitte der 2000er Jahre ihre Bedeutung.
Kulturhistoriker beschreiben die Entwicklung als Spiegelbild einer Gesellschaft im Umbruch. Die Ausstellung in Erfurt rückt dabei nicht nur die kommerziellen Aspekte in den Fokus, sondern auch die sozialen und psychologischen Hintergründe – von der Sehnsucht nach Normalität bis zur Suche nach neuen Identitäten. Die Schau läuft noch bis Ende Oktober und wird von begleitenden Vorträgen und Diskussionsrunden flankiert.
Quellen: Welt Online