Frankfurter Forscher entschlüsseln, wie Pneumokokken sich gegen harmlose Nasenbakterien durchsetzen

Forscher der Goethe-Universität Frankfurt haben einen entscheidenden Mechanismus entschlüsselt, mit dem krankheitserregende Pneumokokken auf der Nasenschleimhaut von Menschen Fuß fassen können. Diese Bakterien sind häufige Auslöser schwerer Atemwegserkrankungen wie Lungenentzündung, Mittelohrentzündung oder Meningitis. In einer neuen Studie konnten die Wissenschaftler zeigen, wie sich Streptococcus pneumoniae gegenüber harmlosen Konkurrenten in der Nasenflora behauptet – und dabei sogar aktiv deren Lebensraum übernimmt.

Die Frankfurter Forschungsgruppe untersuchte, wie Pneumokokken mithilfe eines speziellen Enzyms namens Neuraminidase ihre Umgebung verändern. Dieses Enzym spaltet Zuckerstrukturen auf der Oberfläche menschlicher Zellen und freisetzt Nährstoffe, die den Krankheitserregern als Energiequelle dienen. Gleichzeitig schädigen diese Spaltprodukte die Schleimhautzellen leicht – was zwar für gesunde Menschen kaum auffällig ist, aber dennoch ausreicht, um das Wachstum anderer, gutartiger Bakterien wie etwa Streptococcus mitis einzuschränken.

„Die Pneumokokken nutzen eine Art chemische Kriegsführung“, erklärt Studienleiter Prof. Till Tietgen aus Frankfurt. „Sie manipulieren ihre mikrobielle Umwelt so, dass sie selbst profitieren, während andere Bakterien benachteiligt werden.“ Diese Strategie ermöglicht es dem Erreger, sich vorübergehend in der Nase anzusiedeln – ein wichtiger Schritt, bevor er in die Atemwege oder den Blutkreislauf gelangen kann.

Die Ergebnisse, veröffentlicht im Rahmen einer Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Balance of the Microverse“ an der Universität Jena, werfen neues Licht auf die Dynamik des menschlichen Mikrobioms. Langfristig könnte diese Erkenntnis dazu beitragen, gezielte Präventionsstrategien zu entwickeln – etwa durch Probiotika oder Enzyminhibitoren, die das Durchsetzungsvermögen der Pneumokokken eindämmen, ohne das gesamte Mikrobiom zu stören.

Quellen: FAZ Online