Vor einem Vierteljahrhundert, am 11. September 2001, stürzte Mohammed Atta als einer der führenden Köpfe der Al-Qaida-Anschläge ein Flugzeug in das World Trade Center in New York. Wenige Jahre zuvor hatte Atta noch in Hamburg gearbeitet – als Bauzeichner in der Architekturfirma von Jörg Lewin. Der Hamburger Ingenieur erinnert sich heute mit Fassungslosigkeit an die Zeit, in der der spätere Terrorist Teil seines Teams war.
Lewin beschreibt Atta als disziplinierten, aber distanzierten Mitarbeiter, der sich kaum in die Bürogemeinschaft einbrachte. „Er war korrekt, pünktlich, arbeitete konzentriert – aber er sprach kaum mit uns“, berichtet Lewin im Gespräch mit der FAZ. Erst nach den Anschlägen erkannte der Hamburger Architekt die erschreckende Verbindung: „Da sah ich das Bild im Fernsehen – und dachte: Das ist doch unser Mohammed, der da in den Tower fliegt.“
Atta hatte von 1998 bis 1999 in Hamburg studiert und war danach für kurze Zeit in Lewins Büro beschäftigt. Die Stadt am Elbufer wurde später als zentraler Nabel des 9/11-Netzwerks bekannt, da mehrere der Attentäter hier lebten und sich organisierten. Die Hamburger Zelle gilt als entscheidender Ausgangspunkt der Anschläge.
Heute wirft die Erinnerung an Atta in Hamburg noch immer Fragen auf: Wie konnte es passieren, dass in einer offenen Metropole wie Hamburg ein Terrorzellen-Kern entstehen konnte? Und wie gehen Betroffene wie Lewin mit der historischen Last um? „Ich habe lange gebraucht, um das zu verarbeiten“, sagt der Architekt. „Man fühlt sich unfreiwillig mitverantwortlich – obwohl man nichts wusste.“
Quellen: FAZ Online