Hamburgs Kulturszene erlebt einen intensiven Herbstauftakt: Beim diesjährigen Musikfest begeisterten das Ensemble Resonanz und die Sopranistin Anna Prohaska mit einem außergewöhnlichen Programm. Unter der Leitung von Komponist Enno Poppe führte die Aufführung durch eine „wilde Parade“ der Musikgeschichte – vom Barock bis zur Avantgarde. Prohaska selbst beschrieb das Projekt als Schlüsselerlebnis: „Ich allein habe den Schlüssel zu dieser wilden Parade.“ Das Publikum honorierte die künstlerische Risikobereitschaft mit langem Beifall.
Ganz anders die Stimmung bei der Saisonpremiere an der Hamburgischen Staatsoper. Mit Verdis „Macbeth“ eröffnete Tobias Kratzer die Spielzeit – und erntete damit seine wohl ersten Buhrufe in der Hansestadt. Seine Inszenierung überzeugt laut Kritikern durch kluge Konzepte und radikale Reduktion, verzichtet jedoch fast vollständig auf opulente Bühnenbilder. Stattdessen dominiert eine karge, düstere Ästhetik, die manchen Zuschauern zu abstrakt erscheint. Dennoch urteilt die Süddeutsche Zeitung: „Der Abend ist überraschend karg, aber sehr klug.“
Die beiden Ereignisse zeigen die Vielfalt der Hamburger Kulturlandschaft: Einerseits Experimentierfreude und internationale Strahlkraft, andererseits der schwierige Balanceakt zwischen Avantgarde und Publikumserwartung. Beide Aufführungen unterstreichen Hamburgs Rolle als eines der wichtigsten Opern- und Kammermusikzentren Deutschlands.
Quellen: Der Tagesspiegel, Süddeutsche Zeitung