In den Straßen von Mainz suchen Jugendliche nach Zuflucht, die längst keine Familie mehr haben. Drogen, Gewalt und sexueller Missbrauch prägen ihren Alltag. Für einige ist die Notschlafstelle der Stadt die letzte Station, bevor sie vollends abrutschen. Hier finden sie ein Bett, Essen und Ansprechpersonen, die ihnen helfen wollen – doch viele der jungen Menschen stehen bereits wegen Straftaten unter polizeilichem Verdacht.
Die Einrichtung, die Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren aufnimmt, gewährt viel Freiheit: Die Bewohner können kommen und gehen, wann sie wollen. Diese liberale Haltung ist bewusst gewählt – um Vertrauen zu schaffen. Doch sie sorgt auch für Spannungen mit der Polizei und Nachbarn. Einige der Jugendlichen sind wegen Drogenhandels, Diebstahl oder Gewalttaten bekannt. Für sie droht nicht nur Obdachlosigkeit, sondern auch Haft.
Die Betreuer betonen, dass die Notschlafstelle kein Ort der Straffreiheit sei, sondern ein Raum der Perspektivsuche. „Diese Jugendlichen schreien nach Hilfe“, sagt eine Mitarbeiterin. „Aber statt ins System zu integrieren, wenden sie sich an die Straße.“ Die Arbeit in Mainz zeigt, wie eng soziale Not und Kriminalität verbunden sind – und wie wenig Räume es gibt, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen.
Quellen: FAZ Online