Seit Juli 2026 übernehmen gesetzliche Krankenkassen in Deutschland erstmals flächendeckend die Kosten für eine Liposuktion bei nachgewiesenem Lipödem – eine Erkrankung, die vor allem Frauen betrifft und durch schmerzhafte Fettverteilungsstörungen an Beinen und Armen gekennzeichnet ist. In Hamburg finden zunehmend mehr betroffene Frauen den Weg zu Spezialisten, um sich diagnostizieren und gegebenenfalls behandeln zu lassen.
Die Hamburgerin Hannah Schönfeld leidet seit Jahren an der Krankheit und unterzog sich kürzlich einer solchen Operation. Für sie war der Weg zur Diagnose lang und von Fehleinschätzungen geprägt. „Ich wurde oft abgewiesen, man sagte mir, ich solle einfach abnehmen“, berichtet sie. Lipödem sei lange Zeit als ästhetisches Problem missverstanden worden, obwohl es eine medizinische Erkrankung mit starken körperlichen und psychischen Belastungen sei.
Seit der Kostenerstattung steigt die Zahl der Anfragen bei Hamburger Fachkliniken deutlich. Expert:innen warnen jedoch davor, die Therapie zu verharmlosen oder sie mit ästhetischer Schönheitschirurgie gleichzusetzen. Die Behandlung sei nicht für alle geeignet und erfordere eine sorgfältige Diagnose. Zudem bestehe die Gefahr, dass Frauen, deren Körper nicht dem gesellschaftlichen Schönheitsideal entsprechen, fälschlich glauben, an Lipödem zu leiden.
Mediziner in Hamburg betonen die Notwendigkeit einer engmaschigen Aufklärung. Neben der operativen Therapie spiele auch die kompressionstherapeutische Versorgung und psychologische Begleitung eine zentrale Rolle. Die neue Regelung sei ein wichtiger Schritt, um Betroffene endlich ernst zu nehmen – doch der Weg zur flächendeckenden Versorgung sei noch nicht abgeschlossen.
Quellen: Welt Online