In der äthiopischen Region Tigray ist es am vergangenen Samstag erneut zu schweren Kämpfen zwischen den Streitkräften der Zentralregierung und Rebellen der Tigray People’s Liberation Front (TPLF) gekommen. Wie mehrere internationale Nachrichtenquellen berichten, haben daraufhin Hunderte Zivilisten die Region verlassen und sind in das benachbarte Sudan geflohen, obwohl das Nachbarland selbst weiterhin von einem andauernden Bürgerkrieg betroffen ist.
Die jüngsten Auseinandersetzungen konzentrierten sich auf die Grenzregion um Shererina, wo der äthiopische Militärapparat von Seiten der TPLF beschuldigt wird, gezielte Angriffe durchgeführt zu haben. Die Rebellenorganisation wirft wiederum der Regierung in Addis Abeba vor, die fragile Friedensvereinbarung bewusst zu untergraben und eine Eskalation herbeizuführen. Diese Vorwürfe wurden von der Regierungsseite bislang nicht offiziell kommentiert.
Die Kämpfe werfen erneut die Befürchtung auf, dass Äthiopien in einen umfassenden Bürgerkrieg zurückfallen könnte. Der 2022 geschlossene Friedensvertrag zwischen der Zentralregierung und der TPLF wurde bis heute nicht vollständig umgesetzt, was zu anhaltenden Spannungen und lokalen Konflikten führt. Internationale Beobachter warnen vor einer humanitären Krise, da die Fluchtbewegungen die ohnehin prekäre Lage in den sudanesischen Flüchtlingslagern weiter verschärfen.
Die Region Tigray, die bereits zwischen 2020 und 2022 das Zentrum eines verheerenden Bürgerkriegs war, der Zehntausende Todesopfer forderte und Millionen zur Flucht zwang, befindet sich erneut an einem Scheideweg. Die internationale Gemeinschaft ruft beide Seiten zu Deeskalation und einer vollständigen Umsetzung des Friedensabkommens auf, um eine weitere humanitäre Katastrophe zu verhindern.
Quellen: Al Jazeera English, AllAfrica – Latest, BBC News – World