Die Schriften des guinea-bissauischen Unabhängigkeitskämpfers und Agronomen Amílcar Cabral erfahren eine bemerkenswerte Renaissance. Wie aktuelle Analysen zeigen, verband Cabral bereits in den 1960er Jahren die Gesundheit des Bodens eng mit der Freiheit der Menschen – eine Vision, die heute angesichts fortschreitender Bodendegradation in Afrika mehr denn je aktuell ist.
Laut Forschern sind bis zu 80 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen in Afrika bereits durch intensive Bewirtschaftung und den Klimawandel geschädigt. In diesem Kontext gewinnen Cabrals Überlegungen zur nachhaltigen Landwirtschaft und zur Selbstversorgung neu an Bedeutung. Kürzlich veröffentlichte eine internationale Forschergruppe unter anderem mit Anselmo Matusse, Carlos Lopes und Lesley Green eine Übersetzung und kritische Aufarbeitung von Cabrals agrarwissenschaftlichen Texten.
Cabral, der als Begründer der Unabhängigkeitsbewegung von Guinea-Bissau gilt, sah in der Landwirtschaft nicht nur eine ökonomische, sondern auch eine politische und kulturelle Dimension. Er betonte, dass eine von kolonialen Strukturen befreite Gesellschaft nur dann wirklich unabhängig sei, wenn sie ihre Nahrungsmittel selbst erzeuge und den Boden respektvoll nutze. Diese Verbindung von ökologischer Gesundheit und sozialer Gerechtigkeit wird nun erneut diskutiert.
Die neue Publikation unterstreicht, dass Cabrals Denken weit über militärische Befreiung hinausging. Seine agrarökologischen Konzepte könnten auch heute noch als Leitbild für eine nachhaltige Entwicklung in Westafrika dienen – besonders in Ländern wie Guinea-Bissau, wo Kleinbauern den größten Teil der Bevölkerung stellen.
Quellen: AllAfrica – West Africa