Essstörungen in Thüringen: Über 10.000 Diagnosen im vergangenen Jahr

Die Zahl der diagnostizierten Essstörungen in Thüringen bleibt hoch: Laut aktuellen Daten wurden im vergangenen Jahr mehr als 10.000 Betroffene medizinisch behandelt. Darunter fallen Erkrankungen wie Magersucht, Bulimie und Binge-Eating-Syndrom. Expert:innen warnen vor einer unterschätzten Volkskrankheit, die insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene betrifft.

„Die Präsenz idealisierter Körperbilder in sozialen Medien spielt eine entscheidende Rolle“, erklärt eine Psychologin aus Jena. Influencer:innen, die oft unrealistische Schönheitsideale vermitteln, könnten bei empfindlichen Personen zu negativen Selbstbildern führen. Hinzu kommen Leistungsdruck in Schule und Ausbildung sowie familiäre Faktoren. Besonders besorgniserregend sei der Trend, dass immer jüngere Mädchen – teilweise bereits im Grundschulalter – Anzeichen einer Essstörung zeigen.

Die Behandlungskapazitäten in Thüringen sind begrenzt. Spezialisierte Therapieplätze sind knapp, und Wartezeiten für ambulante oder stationäre Hilfe können Monate dauern. Fachkräfte fordern daher eine stärkere finanzielle Unterstützung durch das Land, um Beratungsstellen auszubauen und präventive Programme an Schulen zu etablieren. Ziel müsse es sein, das Tabu um Essstörungen abzubauen und frühzeitig zu intervenieren.

Quellen: MDR – Nachrichten