Äthiopien soll von Ägypten Entschädigung für Nilwassernutzung fordern – Ex-Wasserminister

Der ehemalige äthiopische Wasserminister Shiferaw Jarso hat die Regierung in Addis Abeba aufgefordert, von Ägypten finanzielle Entschädigungen für die Nutzung des Abay-Flusses (Blaue Nil) einzufordern. In einer Stellungnahme betonte Jarso, dass Äthiopien etwa 86 Prozent des Wassers im Nilbecken beisteuere, vor allem über den Abay, der im Hochland Äthiopiens entspringt. Dennoch nutze Ägypten historisch den Großteil des Wassers, basierend auf kolonialzeitlichen Abkommen, die Äthiopien nicht anerkennt.

Jarso argumentierte, dass es an der Zeit sei, das Verhältnis neu zu justieren: „Wenn Ägypten kontinuierlich vom äthiopischen Wasser profitiert, dann ist eine faire Kompensation nur gerecht.“ Seine Forderung kommt zu einem Zeitpunkt, da die Spannungen um die Nutzung des Nils weiterhin hoch sind, insbesondere seit dem Bau und der Inbetriebnahme des Großen äthiopischen Renaissance-Staudamms (GERD). Der Staudamm gilt in Äthiopien als nationales Prestigeprojekt zur Energieversorgung, löst in Ägypten aber Sorge vor reduzierten Wassermengen aus.

Die Debatte um die Entschädigung könnte die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern zusätzlich belasten. Bisher gab es keine offizielle Reaktion der äthiopischen Regierung auf Jarsos Vorschlag. Experten warnen jedoch davor, dass einseitige Forderungen ohne regionale Verhandlungsplattformen kontraproduktiv wirken könnten. Gleichzeitig sehen Analysten darin einen möglichen Impuls für eine Neuausrichtung der transnationalen Wasserkollaboration im Nilbecken.

Quellen: AllAfrica – East Africa, AllAfrica – North Africa, AllAfrica – Ethiopia, AllAfrica – Egypt