„Die Schlacht um Algier“: Altersloser Film über antikoloniale Gewalt

Der Kultfilm „Die Schlacht um Algier“ von Gillo Pontecorvo jährt sich in diesem Jahr zum 60. Mal seit seinem Sieg beim Filmfestival von Venedig, wo er 1956 den Goldenen Löwen gewann. Der filmische Bericht über den algerischen Unabhängigkeitskampf gegen die französische Kolonialherrschaft bleibt bis heute ein wegweisendes Werk im Diskurs über antikoloniale Bewegungen, asymmetrische Kriegsführung und staatliche Repression. Mit dokumentarähnlichem Stil zeigt der Film die Gewaltspirale zwischen der Front de Libération Nationale (FLN) und französischen Sicherheitskräften während der Schlacht um Algier 1957.

Obwohl der Film historisch fesselnd ist, wird ihm vorgeworfen, die komplexe Realität der postkolonialen Gesellschaft zu vereinfachen. Kritiker bemängeln, dass er die Grauzonen des Widerstands und die innergesellschaftlichen Konflikte innerhalb Algeriens nicht ausreichend beleuchtet. Dennoch nutzen Militärs, Politiker und Aktivisten weltweit den Film bis heute als Lehrstück – unter anderem wurde er 2003 vom Pentagon für Strategieanalysen herangezogen.

Kulturelles Erbe und politische Instrumentalisierung

In Algerien selbst genießt der Film einen fast mythischen Status. Er wird regelmäßig bei Gedenkveranstaltungen gezeigt und dient als Symbol des Widerstandes gegen Unterdrückung. Gleichzeitig warnen Historiker davor, dass seine dramaturgische Verdichtung die historische Differenziertheit verdecke. Dennoch bleibt „Die Schlacht um Algier“ ein unverzichtbarer Bezugspunkt für das kollektive Gedächtnis des Landes – und eine Mahnung, wie eng Medien, Macht und Erinnerung miteinander verwoben sind.

Quellen: FAZ Online