Die Krise um den größten Drogenfall in der Geschichte Liberias verschärft sich weiter. Der nationale Polizeichef, Inspektor General, machte am Donnerstag in einer öffentlichen Ansprache die verblüffende Behauptung, der massive Kokainskandal werde „auf höchster Ebene sanktioniert“. Ohne konkrete Namen zu nennen, deutete er an, dass Teile der Regierung in die Schmuggelaktivitäten involviert seien. Wenige Augenblicke später ging er noch einen Schritt weiter und beschuldigte Journalisten, für das Drogenkartell zu arbeiten und gezielt die Ermittlungen zu sabotieren.
Beide Aussagen wurden ohne jegliche Beweisvorlage getroffen und lösten sofort Empörung aus. Die Press Union of Liberia (PUL) reagierte prompt und stellte der Regierung ein Ultimatum von 72 Stunden, die Vorwürfe gegen die Medienöffentlichkeit zu beweisen. Andernfalls drohe ein Boykott staatlicher Pressekonferenzen und rechtliche Schritte wegen Rufschädigung.
Zuvor hatte Präsident Boakai bereits mehrere hohe Beamte entlassen oder suspendiert, darunter Sicherheitskräfte, die mit den beiden großen Kokain-Sicherstellungen in Verbindung stehen sollen. Die Maßnahmen galten als Zeichen für Entschlossenheit – doch die jüngsten Äußerungen des Polizeichefs untergraben das Vertrauen in die Unabhängigkeit der Ermittlungen. Beobachter warnen vor einer Eskalation zwischen Exekutive, Justiz und vierten Gewalt.
Quellen: FrontPageAfrica, Liberian Observer