Ehemaliger US-Diplomat fordert Ägypten auf, neue Realitäten im Nilbecken anzuerkennen

Der ehemalige US-Assistenzstaatssekretär für afrikanische Angelegenheiten, Tibor Nagy, hat Ägypten aufgefordert, die gegenwärtigen politischen, wirtschaftlichen und strategischen Realitäten im Nilbecken zu akzeptieren – statt auf historischen Ansprüchen aus dem 19. und 20. Jahrhundert zu beharren. In einer am Rande einer Konferenz in Addis Abeba geäußerten Stellungnahme betonte Nagy, dass sich die Machtverhältnisse im Nilbecken grundlegend verändert hätten und Ägypten diese Entwicklung nicht länger ignorieren könne.

Insbesondere die Aufhebung des kolonialen Erbes, das Ägypten und Sudan langjährige Alleinrechte am Nilwasser einräumte, sei heute nicht mehr haltbar. Länder wie Äthiopien, Uganda und Sudan arbeiten zunehmend an eigenen Wasserprojekten – allen voran der Große Äthiopische Renaissance-Staudamm (GERD), der seit Jahren für Spannungen mit Kairo sorgt. Nagy wies darauf hin, dass die Bevölkerungsentwicklung, der Klimawandel und wachsende Wasserbedarfe eine neue, kooperative Herangehensweise erforderten.

Ägypten, das traditionell fast vollständig auf den Nil angewiesen ist, sieht in jeder Reduzierung seines Wasseranteils eine existenzielle Bedrohung. Dennoch mahnte Nagy eine realitätsnahe Diplomatie an: „Die Welt hat sich verändert. Die Nilanrainerstaaten erwarten Gerechtigkeit, Zugang und Mitsprache – und Ägypten muss Teil dieser neuen Ordnung werden, nicht ihr Gegner.“

Die Äußerungen kommen zu einem Zeitpunkt, da die Verhandlungen über den operationellen Betrieb des GERD erneut stocken. Internationale Vermittlungsversuche, zuletzt durch die Afrikanische Union, brachten bisher keine dauerhafte Einigung. Experten warnen vor eskalierenden Spannungen, falls keine verbindlichen Regelungen zum Wasseraustausch und Krisenmanagement gefunden werden.

Quellen: AllAfrica – East Africa, AllAfrica – North Africa, AllAfrica – Ethiopia, AllAfrica – Egypt