Der ehemalige US-Assistenzstaatssekretär für afrikanische Angelegenheiten, Tibor Nagy, hat Ägypten aufgefordert, seine langjährige Haltung im Streit um die Nutzung des Nilwassers zu überdenken. In einem Interview mit dem Sender Pulse of Africa betonte Nagy, dass Kairo die neue regionale Realität anerkennen müsse, insbesondere das Recht Äthiopiens, seine Wasserressourcen zur Entwicklung zu nutzen – etwa durch den Grand Ethiopian Renaissance Dam (GERD).
Nagy argumentierte, dass Ägypten nicht länger auf historische Ansprüche und Dominanz im Nilbecken setzen könne, um Verhandlungen zu bestimmen. Stattdessen sei eine Win-Win-Lösung erforderlich, die auf Kooperation, Transparenz und langfristiger Wassersicherheit für alle Anrainerstaaten basiere. Der Diplomat warnte vor einer Eskalation, falls die Verhandlungen weiter blockiert blieben, und plädierte für eine stärkere Rolle internationaler Vermittler.
Der Nil-Streit bleibt eine der brisantesten geopolitischen Auseinandersetzungen Nordostafrikas. Ägypten, das über 90 Prozent seiner Wasserressourcen aus dem Nil bezieht, befürchtet durch die Füllung und den Betrieb des äthiopischen Staudamms erhebliche Einbußen. Äthiopien hingegen sieht im GERD ein Schlüsselprojekt für wirtschaftliche Entwicklung und Energieunabhängigkeit. Bisherige Verhandlungen unter Beteiligung der Afrikanischen Union, der USA und der UNO konnten keine dauerhafte Einigung erzielen.
Quellen: AllAfrica – East Africa, AllAfrica – North Africa, AllAfrica – Ethiopia, AllAfrica – Egypt