Fünf Jahre nach dem umstrittenen Machtergreifungsschritt von Präsident Kais Saied brodelt es erneut in Tunesien. Während die Hoffnung auf politische Stabilität anfangs groß war, kehren heute viele der alten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Probleme zurück, die bereits die Revolution von 2011 befeuerten.
Wie Al Jazeera berichtet, leidet das Land weiterhin unter hoher Arbeitslosigkeit, Inflation und wirtschaftlicher Stagnation – besonders betroffen sind junge Menschen und benachteiligte Regionen. Gleichzeitig hat die Regierung unter Saied den Spielraum für politische Opposition und öffentliche Kritik massiv eingeschränkt. Unabhängige Medien wurden zensiert, Oppositionspolitiker verhaftet, und das Parlament weitgehend außer Kraft gesetzt.
Beobachter warnen, dass die anhaltende Unterdrückung demokratischer Strukturen die ohnehin fragile soziale Stabilität weiter gefährdet. Die Kombination aus wirtschaftlichem Druck und fehlender politischer Mitsprache führe zu wachsender Frustration in der Bevölkerung. Zwar genießt Saied nach wie vor Anhänger unter Teilen der Mittelschicht, die Ordnung und Stärke erwarten, doch die Angst vor einem weiteren sozialen Ausbruch wächst.
Die internationale Gemeinschaft beobachtet die Entwicklung mit Sorge. Menschenrechtsorganisationen kritisieren die systematische Aushöhlung demokratischer Institutionen, während internationale Geldgeber wie der IWF Bedingungen für Finanzhilfen stellen – was wiederum Proteste gegen vermeintliche Einmischung befeuert. Tunesien steht damit erneut an einem Scheideweg zwischen autoritärer Stabilität und demokratischer Erneuerung.
Quellen: Al Jazeera English