Die Geburtenrate in Tunesien befindet sich auf einem historischen Tiefstand. Wie eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, hat sich die Zahl der Geburten pro Frau seit den 1970er Jahren mehr als halbiert – ein Trend, der auch in Marokko und Algerien zu beobachten ist. Insgesamt verzeichnet die Region des Maghreb einen deutlichen demografischen Wandel, der langfristig gravierende Auswirkungen auf Sozialsysteme, Arbeitsmarkt und Altersversorgung haben könnte.
Fachleute führen den Rückgang vor allem auf wirtschaftliche Unsicherheit sowie veränderte Lebensentwürfe zurück. Viele junge Paare in Tunesien entscheiden sich bewusst für kleinere Familien oder verzichten ganz auf Kinder, da die Kosten für Wohnraum, Bildung und medizinische Versorgung stark gestiegen sind. Gleichzeitig steigt die Lebenserwartung, was zu einer alternden Gesellschaft führt. Expert:innen warnen, dass das Land künftig mit einem Ungleichgewicht zwischen erwerbstätiger Bevölkerung und Rentner:innen konfrontiert sein könnte.
Die tunesische Regierung steht vor der Herausforderung, geeignete familienpolitische Maßnahmen zu entwickeln – doch bislang gibt es kaum konkrete Initiativen zur Förderung der Geburtenrate. Im Vergleich zu anderen Ländern der Region bleibt Tunesien jedoch eines der am weitesten modernisierten im Bereich Frauenrechte und Bildung, was ebenfalls zur sinkenden Fruchtbarkeit beiträgt. Die gesellschaftliche Entwicklung spiegelt sich nun auch in den Zahlen wider: Eine neue Ära der Demografie bricht an.
Quellen: Africanews EN