Invasive Ratten behindern Wiederbesiedlung madagassischer Regenwälder durch heimische Kleinsäuger

In Südost-Madagaskar zeigen sich erste Erfolge natürlicher Aufforstung: Ehemals gerodete Flächen, die als Plantagen genutzt wurden, liegen heute brach und beginnen sich langsam zu regenerieren. Doch obwohl junge Bäume wieder wachsen, fehlen entscheidende Akteure eines funktionierenden Ökosystems – die ursprünglichen Tierarten. Eine aktuelle Studie im südöstlichen Teil der Insel zeigt, dass invasive Schwarze Hausratten (Rattus rattus) die Wiederbesiedlung durch heimische Kleinsäuger effektiv blockieren.

Konkurrenzdruck durch invasive Arten

Die Forschenden untersuchten mehrere sich regenerierende Waldgebiete und verglichen sie mit intakten Primärwäldern. Während in den unberührten Zonen eine artenreiche Gemeinschaft von Fledermäusen, Madagaskar-Spitzmäusen und anderen endemischen Säugetieren vorkommt, blieben diese in den jungen Sekundärwäldern deutlich unterrepräsentiert. Stattdessen dominierten invasive Ratten – eine Entwicklung, die Biologen zunehmend als Hemmschuh für die ökologische Erholung betrachten.

Funktionelle Leere im Ökosystem

„Ein Wald ist mehr als nur Bäume“, betont die Studie. Die Abwesenheit einheimischer Kleinsäuger beeinträchtigt wichtige ökologische Prozesse wie Samenverbreitung, Bestäubung und Nährstoffkreisläufe. Die invasiven Ratten nutzen zwar ähnliche Nischen, erfüllen aber nicht dieselbe Funktion. So verzehren sie beispielsweise Samen, statt sie zu verbreiten, was die natürliche Verjüngung bestimmter Baumarten behindert.

Die Ergebnisse unterstreichen, dass reine Wiederaufforstungsmaßnahmen allein nicht ausreichen. Um echte Biodiversitätsrestauration zu erreichen, müsse auch der Bekämpfung invasiver Arten Priorität eingeräumt werden – besonders in empfindlichen Hotspots wie Madagaskar, das über eine der höchsten Endemieraten weltweit verfügt.

Quellen: AllAfrica – East Africa