Bei einer jüngsten Abschlussfeier in Eritrea wurde eine neue Generation von Jugendlichen in den unbestimmten nationalen Wehrdienst eingewiesen. Die Zeremonie, die traditionell den Übergang vom letzten Schuljahr in den Staatsdienst markiert, zieht Tausende junge Eritreer jährlich in eine Dienstpflicht, die in der Praxis oft lebenslang wird. Human Rights Watch (HRW) verurteilt das System als systematische Menschenrechtsverletzung und bezeichnet die Feierlichkeiten als zentralen Bestandteil eines „grausamen Kreislaufs“ staatlicher Unterdrückung.
Indefiniter Dienst als Normalzustand
Der eritreische Wehrdienst ist seit Jahrzehnten für seine Unbestimmtheit bekannt. Offiziell dauert er 18 Monate, in der Realität jedoch oft Jahre oder sogar Jahrzehnte. Schulabgänger werden direkt nach der 12. Klasse rekrutiert und arbeiten zunächst in der sogenannten Sawa-Militärschule, bevor sie auf verschiedene staatliche Einrichtungen, Bauprojekte oder militärische Einheiten verteilt werden. Unzählige Berichte dokumentieren mangelnde Bezahlung, Zwangsarbeit, fehlende Freiheit und unmenschliche Lebensbedingungen.
Internationale Kritik bleibt folgenlos
HRW betont erneut, dass diese Praxis eine strukturelle Form der Zwangsrekrutierung darstellt, die internationales Recht verletzt. Die Organisation fordert die internationale Gemeinschaft auf, Druck auf die eritreische Regierung auszuüben, um Reformen herbeizuführen. Dennoch bleibt der Druck bislang wirkungslos. Die Regierung unter Präsident Isaias Afwerki lehnt jegliche Kritik ab und rechtfertigt den unbestimmten Dienst mit der fortgesetzten Bedrohungslage und dem Aufbau der Nation.
Die fortgesetzte Rekrutierung junger Menschen bleibt ein zentrales Hindernis für die Entwicklung des Landes und treibt weiterhin viele zur Flucht – oft unter Lebensgefahr Richtung Europa oder Nachbarländer.
Quellen: AllAfrica – Latest, AllAfrica – East Africa