Tunesiens Präsident Kais Saied hat am Montag, dem 10. August 2026, einen unangekündigten Besuch in der südöstlichen Hafenstadt Gabes unternommen, um die anhaltenden Umweltprobleme der Region persönlich zu überprüfen. Bei dem Besuch, der von der tunesischen Nachrichtenagentur Tunis Afrique Presse berichtet wurde, legte Saied besonderen Wert auf die dringende Notwendigkeit, die jahrzehntelange Umweltverschmutzung durch Industrieanlagen anzugehen.
Die Industrieregion von Gabes gilt seit den 1970er Jahren als eine der am stärksten belasteten in Tunesien. Zahlreiche chemische Fabriken, darunter die Phosphorsäure- und Düngemittelproduktion, haben über Jahrzehnte Schadstoffe in Luft, Boden und Meer abgegeben. Bürgerproteste und Umweltorganisationen hatten wiederholt auf die gesundheitlichen Auswirkungen für die Bevölkerung hingewiesen, darunter erhöhte Krebsraten und Atemwegserkrankungen.
Präsident Saied betonte während seines Rundgangs, dass die Umweltprobleme „dringend und unverzüglich“ gelöst werden müssten. Er kündigte an, dass die zuständigen Ministerien umfassende Maßnahmen zur Sanierung und strengere Kontrollen der Industrieaktivitäten einleiten sollen. Gleichzeitig forderte er eine enge Zusammenarbeit mit Experten und lokalen Behörden, um nachhaltige Lösungen zu entwickeln.
Der unangekündigte Besuch wird als Zeichen dafür gewertet, dass die Regierung zunehmend Druck spürt, ökologische Missstände stärker in den Fokus zu rücken. Die Stadt Gabes war in der Vergangenheit mehrfach Schauplatz von Demonstrationen, bei denen Anwohner bessere Lebensbedingungen und Umweltschutz forderten. Saieds Präsenz vor Ort könnte ein Versuch sein, Vertrauen in staatliche Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen.
Quellen: AllAfrica – North Africa