Nach jahrelangen Ermittlungen und juristischen Vorbereitungen hat heute in der KwaZulu-Natal-Hohegerichtsbarkeit der Prozess gegen 62 Personen begonnen, die im Zusammenhang mit den verheerenden Unruhen vom Juli 2021 angeklagt sind. Die Gewaltwellen, ausgelöst durch die Inhaftierung des ehemaligen Präsidenten Jacob Zuma, hatten als schwerste innenpolitische Krise seit der Demokratiegründung das Land erschüttert und 354 Todesopfer gefordert.
Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, über drei verschlüsselte WhatsApp-Gruppen die Ausschreitungen strategisch koordiniert zu haben. Ziel sei es gewesen, staatliche Institutionen zu destabilisieren und Zumas Freilassung durch Massengewalt zu erzwingen. Den Beschuldigten werden unter anderem Anstiftung zum Terror, Hochverrat und Meuterei vorgeworfen – Delikte, die in Südafrika auch lebenslange Haftstrafen nach sich ziehen können.
Der Prozess gilt als wegweisend für die Rechtsstaatlichkeit des Landes. Beobachter sehen in ihm einen Prüfstein dafür, ob Südafrika strukturelle Gewalt und politisch motivierte Unruhen wirksam juristisch aufarbeiten kann. Die Ereignisse von 2021 hatten nicht nur menschliches Leid verursacht, sondern auch Infrastruktur, Wirtschaft und öffentliche Ordnung in mehreren Provinzen schwer beschädigt.
Die Anklage stützt sich auf digitale Beweise, darunter Chatverläufe, Standortdaten und Zeugenaussagen. Besonders brisant: Die mutmaßliche Rolle von Zuma selbst wird im Zuge des Prozesses erneut thematisiert, obwohl er nicht direkt angeklagt ist. Die Kommission unter Leitung von Richter Raymond Zondo hatte in ihrem Abschlussbericht bereits Hinweise auf eine mögliche Mitverantwortung des ehemaligen Staatschefs dokumentiert.
Quellen: Daily Maverick, AllAfrica – Latest