In Marokko nimmt die Geburtenrate weiter deutlich ab – Teil eines regionalen Trends im Maghreb, der sowohl Chancen als auch Herausforderungen für die Zukunft birgt. Laut einer aktuellen Analyse haben sich die Fruchtbarkeitsraten in Marokko, Algerien und Tunesien seit den 1970er Jahren um mehr als die Hälfte verringert. Diese Entwicklung wird vor allem auf steigende Lebenshaltungskosten, verbesserte Bildungschancen für Frauen sowie einen strukturellen Wandel in den Familienmodellen zurückgeführt.
In den 1970er Jahren lag die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau in den meisten Maghreb-Staaten noch bei über sechs. Heute liegt sie in Marokko bei knapp 2,3 – nahe am sogenannten Generationsersatzniveau, ab dem eine Bevölkerung langfristig schrumpft, wenn keine Migration hinzukommt. Experten warnen vor den langfristigen Folgen: Eine alternde Gesellschaft könnte zunehmend Druck auf Sozialsysteme und Arbeitsmärkte ausüben.
Ursachen: Wirtschaft und moderne Lebensentwürfe
Junge Paare in Marokko entscheiden sich bewusst für kleinere Familien, da die wirtschaftliche Unsicherheit, die hohen Wohnkosten und der Zugang zu Karrierechancen insbesondere für Frauen Priorität genießen. Gleichzeitig haben staatliche Programme zur Aufklärung und Familienplanung in den letzten Jahrzehnten zu einer besseren Gesundheitsversorgung beigetragen. Besonders in städtischen Zentren wie Casablanca oder Rabat zeigen sich diese Trends am stärksten ausgeprägt.
Trotz der gemeinsamen Entwicklung unterscheiden sich die Länder im Tempo des Wandels. Während Tunesien bereits unter der Bevölkerungserschöpfung warnt, sieht Marokko noch Raum für eine ausgewogene Transition. Dennoch fordern Forscher verstärkte Maßnahmen zur Unterstützung junger Familien, um soziale Ungleichheiten und wirtschaftliche Risiken zu minimieren.
Quellen: Africanews EN