Die Regierung des Tschad hat einen umstrittenen Erlass zur Einstellung des Sandabbaus entlang des Ufers des Tschadflusses, insbesondere in der Hauptstadt Ndjamena, verkündet. Hintergrund ist eine zunehmende Umweltzerstörung, die durch jahrelangen intensiven Abbau von Baumaterial entlang des Flussbettes verursacht wurde. Das zuständige Ministerium für Bergbau und Industrie begründete das Verbot mit der Notwendigkeit, die Ökosysteme des Chari-Flusses zu schützen, dessen Uferbereiche zunehmend erodieren und dessen Tierwelt durch die industrielle Bautätigkeit bedroht sei.
Trotz der ökologischen Begründung sorgt das Verbot jedoch für Unruhe in der Bevölkerung. Tausende Arbeiter, insbesondere in informellen Sektoren, sind auf den Abbau von Sand als Baustoff angewiesen. In Vororten von Ndjamena arbeiteten viele Familien direkt am Flussufer, um Sand für den lokalen Bauhandel zu gewinnen. Nun fehlt vielen dieser Einkommensquelle. Lokale Unternehmer und Gewerkschaften warnen vor sozialer Destabilisierung, falls keine alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen werden.
Experten weisen darauf hin, dass das Verbot ohne konkrete Maßnahmen zur wirtschaftlichen Integration der betroffenen Bevölkerungsgruppen kaum durchsetzbar sein wird. Gleichzeitig mahnen Umweltorganisationen, dass die langfristigen Folgen des unkontrollierten Sandabbaus – darunter Überschwemmungen, Verlust von Ackerland und Zerstörung von Lebensräumen – dringend Gegenmaßnahmen erfordern. Die Regierung steht vor der Herausforderung, ökologische Nachhaltigkeit mit sozialer Stabilität in Einklang zu bringen.
Quellen: France 24 – Africa