Der inhaftierte tunesische Oppositionsführer Rached Ghannouchi befindet sich laut seinen Anwälten in einem kritischen Gesundheitszustand. Am Donnerstag teilten Rechtsvertreter des 85-Jährigen mit, Ghannouchi habe sich verschlechtert, nachdem er im Gefängnis erneut zusammengebrochen sei und unter extremer Erschöpfung leide. Berichten zufolge wurde ihm wiederholt der Kontakt zu seiner Familie verweigert, was seine physische und psychische Lage weiter verschärfe.
Ghannouchi, ehemaliger Parlamentspräsident und Gründer der islamisch-konservativen Ennahda-Partei, war im Rahmen einer umfassenden Welle politischer Repression unter Präsident Kais Saied verhaftet worden. Seit 2023 wurden zahlreiche Oppositionspolitiker, Journalisten und Aktivisten festgenommen, was internationale Menschenrechtsorganisationen kritisiert haben. Ghannouchi selbst wurde bereits zu mehreren Haftstrafen verurteilt, unter anderem wegen angeblicher Untergrabung der Staatssicherheit und Geldwäsche – Vorwürfe, die er und seine Unterstützer als politisch motiviert zurückweisen.
Sein aktueller Gesundheitszustand hat neue Besorgnis ausgelöst. Menschenrechtsgruppen und internationale Beobachter fordern dringend humanitäre Zugänge zu Ghannouchi und eine Überprüfung der Haftbedingungen. Die tunesische Regierung hat bislang keine offizielle Stellungnahme zu seinem Zustand abgegeben. Die Entwicklung wirft erneut Fragen zur Lage der politischen Freiheiten und des Rechtsstaats in Tunesien auf, das nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Ben Ali 2011 als einzige Demokratie des arabischen Frühlings galt.
Quellen: Africanews EN