WHO warnt vor massiver Unterberichterstattung bei Ebola-Fällen in der DR Kongo

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am Mittwoch vor einer erheblichen Unterberichterstattung von Ebola-Fällen in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) gewarnt. Laut Michael Ryan, Leiter des WHO-Notfallprogramms, könnte die tatsächliche Zahl der Infektionen mindestens doppelt so hoch liegen wie die offiziellen Angaben – in einigen Gebieten möglicherweise sogar viermal so hoch. Seit Mitte Mai wurden offiziell fast 2.000 Erkrankungsfälle gemeldet, hauptsächlich in der östlichen Provinz Ituri.

Die Diskrepanz zwischen offiziellen Zahlen und der geschätzten Realität wird auf die schwierigen Bedingungen in den betroffenen Regionen zurückgeführt: mangelnde Gesundheitsinfrastruktur, unzureichende Testkapazitäten und die Herausforderungen der Arbeit in Gebieten mit anhaltenden bewaffneten Konflikten. Gesundheitsarbeiter berichten von begrenztem Zugang zu abgelegenen Gemeinden, was die Erfassung von Fällen und die Durchführung von Impfungen erschwert.

Gilles Fagninou, Regionaldirektor von UNICEF für West- und Zentralafrika, betonte nach einem Besuch in Ituri die dringende Notwendigkeit einer stärkeren kollektiven Reaktion. „Die Eindämmung von Ebola erfordert schnellere, koordinierte und lokal angepasste Maßnahmen“, so Fagninou. Dazu gehörten nicht nur medizinische Interventionen, sondern auch die Stärkung des Vertrauens der Bevölkerung in Gesundheitsdienste und die umfassende Aufklärung über Übertragungswege.

Die internationale Gemeinschaft wird aufgefordert, zusätzliche Ressourcen bereitzustellen, um das Gesundheitssystem vor Ort zu unterstützen. Die WHO arbeitet eng mit lokalen Behörden, Nichtregierungsorganisationen und Partnern wie Ärzte ohne Grenzen zusammen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen und die Todesrate zu senken. Dennoch bleibt die Lage äußerst angespannt, insbesondere angesichts der hohen Mobilität der Bevölkerung in der Region.

Quellen: AllAfrica – Latest, AllAfrica – Central Africa, Al Jazeera English