AfD beansprucht Dichter Novalis für sich – Streit um Romantik-Symbolik in Sachsen-Anhalt

Im sachsen-anhaltinischen Schloss Oberwiederstedt, wo der Dichter Novalis seine Kindheit verbrachte, tobt ein symbolpolitischer Streit. Die AfD bemüht zunehmend die Romantik und insbesondere das Werk von Novalis, um kulturelle Heimat und nationale Identität zu beschwören. Das Internationale Forschungs- und Bildungszentrum im Schloss, das seit fast 40 Jahren als unabhängige Akademie für Romantikforschung gilt, wehrt sich gegen diese Instrumentalisierung.

„Novalis war ein Dichter der Aufklärung und des europäischen Gedankens, kein Vordenker nationalistischer Ideologien“, betont ein Wissenschaftler des Zentrums. Die AfD hingegen zitiert gezielt aus Novalis’ fragmentarischen Schriften, um eine romantisch verklärte Sicht auf Nation, Natur und Tradition zu untermauern. Kulturhistoriker warnen davor, dass dabei der historische Kontext bewusst ausgeblendet werde.

Die Auseinandersetzung um die Deutungshoheit über kulturelle Symbole gewinnt vor der Landtagswahl 2026 an Brisanz. Bereits kursieren falsche Umfragen im Netz, die die Stimmungslage manipulieren könnten – ein weiteres Indiz für eine intensiv geführte symbolische Auseinandersetzung.

Während die AfD Romantik als Gegenentwurf zur vermeintlichen Entfremdung der Gegenwart instrumentalisiert, mahnen Kulturschaffende zur Vorsicht: „Die Romantik war vielschichtig, kritisch und experimentell – sie lässt sich nicht in eine politische Parole pressen.“

Quellen: FAZ Online