In der Nähe des kleinen Ortes Deersheim im Landkreis Mansfeld-Südharz haben Archäologen bemerkenswerte Spuren eines römischen Marschlagers entdeckt. Die Funde, darunter Gräben, Holzstrukturen und Keramikfragmente, deuten darauf hin, dass römische Soldaten im frühen 3. Jahrhundert n. Chr. in der Region unterwegs waren – deutlich weiter nördlich der bislang gesicherten römischen Aktivitätszonen.
„Dies ist ein bedeutender Hinweis darauf, dass die römische Präsenz in Mitteleuropa weiter reichte, als bisher dokumentiert“, erklärte ein Sprecher des Landesamtes für Denkmalpflege. Die Anlage weist typische Merkmale eines provisorischen Militärlagers auf, das für eine oder wenige Nächte genutzt wurde. Solche Lager wurden von römischen Truppen auf Marschzügen errichtet, um sicher und geordnet zu übernachten.
Die Entdeckung wirft neue Fragen zur Reichweite römischer Militärexpeditionen im Germanien des 3. Jahrhunderts auf. Historiker vermuten, dass es sich um Teile eines Feldzugs gegen germanische Stämme handeln könnte, möglicherweise im Zusammenhang mit den Kämpfen unter Kaiser Maximinus Thrax. Die genaue Datierung erfolgt nun durch radiokarbone Methoden und detaillierte Bodenanalysen.
Die Fundstelle wird derzeit wissenschaftlich dokumentiert. Langfristig ist geplant, Teile des Lagers für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, eventuell im Rahmen eines archäologischen Lehrpfads. Die Entdeckung unterstreicht die Bedeutung Sachsen-Anhalts als historisch bedeutungsvolles Gebiet zwischen den Machtblöcken der Antike.
Quellen: MDR – Nachrichten