Im November 1938 spielte der Erfurter Autohändler Georg Beuchel eine entscheidende Rolle bei der Zerstörung der jüdischen Synagoge in der thüringischen Landeshauptstadt. Wie aus historischen Akten hervorgeht, lieferte er 60 Liter Benzin, das anschließend zur Brandstiftung verwendet wurde. Der Bau brannte daraufhin vollständig aus. Dennoch wurde Beuchel niemals strafrechtlich verfolgt – ein Beispiel für die strukturelle Straflosigkeit vieler Täter während und nach der NS-Zeit.
Das Dokumentationszentrum Nordhausen und Historiker aus Erfurt heben den Fall heute als exemplarisch dafür hervor, dass nicht nur Mitglieder der SA oder SS an den Pogromen beteiligt waren, sondern auch gewöhnliche Bürger. Beuchels Aussage „Das geht auf meine Rechnung“ bei der Abgabe des Benzins verdeutlicht eine erschreckende Bereitschaft zur Mitwirkung am staatlich organisierten Terror.
Obwohl nach 1945 mehrfach Ermittlungen gegen Beuchel eingeleitet wurden, blieben diese erfolglos. Weder in der DDR noch in der Bundesrepublik gelang eine strafrechtliche Aufarbeitung. Sein Fall steht stellvertretend für die mangelnde juristische Konsequenz gegenüber Mittätern in vielen deutschen Regionen.
In diesem Jahr erinnern Gedenkveranstaltungen in Erfurt erneut an die Novemberpogrome. Angehörige der jüdischen Gemeinde sowie Politiker rufen dazu auf, die lokalen Geschichten der Beteiligung und Verdrängung systematisch weiterzuforschen. Nur so könne der kollektiven Erinnerungskultur in Thüringen Gerechtigkeit widerfahren.
Quellen: Welt Online