Am Hannoveraner Landgericht hat heute der Prozess gegen einen Arzt der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) begonnen. Dem Mediziner werden schwerwiegende Vorwürfe gemacht: Er soll mehrere Patienten in seiner Klinik wider deren Willen mit stark wirkenden Medikamenten behandelt haben – in einem Fall soll es sich um einen versuchten Tötungsdelikt handeln. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, bewusst lebensbedrohliche Dosierungen verabreicht zu haben, ohne dass medizinische Notwendigkeit bestand.
Die Ermittlungen hatten sich über Monate hingezogen, nachdem behandelnde Kollegen auffällige medizinische Befunde bei mehreren schwerkranken Patienten bemerkt hatten. Ein internes Audit der MHH führte schließlich zu konkreten Hinweisen auf systematische Manipulationen im Behandlungsverlauf. Daraufhin wurde die Klinikleitung tätig und erstattete Anzeige. Laut Anklage geht es um drei konkrete Fälle zwischen 2023 und 2025, bei denen zwei Patienten verstarben, nachdem sie Medikamente erhielten, die nicht verordnet waren.
Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe bislang. Seine Verteidigung argumentiert mit diagnostischer Unsicherheit und dem hohen Druck in der Intensivmedizin. Die MHH betonte in einer Stellungnahme, das Vertrauen in die medizinische Sorgfalt aller Mitarbeiter bleibe ungebrochen, gleichzeitig werde jede Vorwurf konsequent aufgeklärt. Das Gericht erwartet einen langwierigen Prozess mit zahlreichen Gutachtern und Zeugen. Die Verhandlungen finden unter erhöhtem öffentlichen Interesse statt, da der Fall Fragen zur Kontrolle im klinischen Alltag und zum Umgang mit Macht in der Medizin aufwirft.
Quellen: Tagesspiegel