Die Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen ist von russischen Behörden als „unerwünschte Organisation“ eingestuft worden. Damit ist ihre Arbeit auf russischem Staatsgebiet untersagt, und Kontakte zu russischen Institutionen können strafrechtliche Konsequenzen haben. Die Entscheidung geht auf eine Anordnung des russischen Generalstaatsanwalts zurück, die im Rahmen einer systematischen Einschränkung ausländischer Forschungseinrichtungen erfolgt.
Universitätspräsidentin Professor Dr. Irina Schmitt verurteilte die Maßnahme als „Ausdruck der Wissenschaftsfeindlichkeit und ideologischen Abschottung“. In einer Stellungnahme betonte sie, dass die Forschungsstelle seit Jahrzehnten unabhängige, interdisziplinäre Analysen zu gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in Osteuropa liefere – stets auf Basis wissenschaftlicher Methoden und ohne parteiliche Agenda.
Die Forschungsstelle, gegründet 1978, genießt international hohe Anerkennung für ihre Arbeiten zu Transformationsprozessen, Zivilgesellschaft und historischer Aufarbeitung im postsowjetischen Raum. Seit Beginn des Ukraine-Krieges 2022 hat sie verstärkt über die Folgen der Aggression und die Entwicklung autoritärer Strukturen in Russland publiziert – ein Umstand, der möglicherweise zur Einreihung auf die schwarze Liste beigetragen hat.
Trotz der Verbotsmaßnahme kündigte die Universität an, die Arbeit der Forschungsstelle vollständig fortzusetzen. Internationale Kooperationen sollen ausgebaut werden. Auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Wissenschaftsrat bekundeten Unterstützung.
Quellen: ntv – Nachrichten