Der renommierte Steidl-Verlag aus Göttingen, jahrzehntelanger Verleger von Literaturgrößen wie Günter Grass, hat die vorläufige Insolvenz angemeldet. Die Nachricht erschütterte die literarische Szene Niedersachsens und darüber hinaus. Der Verlag, der sich besonders auf essayistische und kulturwissenschaftliche Werke spezialisiert hat, gilt als wichtiger Akteur im deutschen Verlagswesen.
Seit Monaten seien Gehälter nur noch unzuverlässig ausgezahlt worden, berichten mehrere Mitarbeiter. Die finanzielle Krise habe sich über einen längeren Zeitraum angebahnt, ohne dass öffentlich darauf hingewiesen wurde. Nun soll ein vorläufiges Insolvenzverfahren unter Eigenverwaltung den Fortbestand des Unternehmens sichern. Das zuständige Amtsgericht in Göttingen bestätigte die Anmeldung.
Der Steidl-Verlag wurde 1971 gegründet und machte sich einen Namen durch die sorgfältige Pflege seines Autorenstabs und die hohe Qualität seiner Publikationen. Neben Grass veröffentlichte der Verlag Autoren wie Uwe Timm und Peter Handke. In den letzten Jahren jedoch nahm der wirtschaftliche Druck zu, insbesondere durch sinkende Buchverkäufe und steigende Betriebskosten.
Ein Sprecher des Unternehmens betonte, dass die Verlagsarbeit zunächst fortgesetzt werde. „Wir arbeiten an einer Sanierung und hoffen, unsere langjährigen Leser und Autorinnen und Autoren nicht zu enttäuschen“, so die Stellungnahme. Die Landesregierung in Hannover äußerte Bedenken über die wirtschaftliche Lage kultureller Institutionen in Niedersachsen und kündigte eine Überprüfung möglicher Unterstützungsmöglichkeiten an.
Quellen: Spiegel Online – Schlagzeilen