Marokkanische Anwälte verlängern landesweiten Streik gegen Berufsgesetz

Marokkanische Anwälte haben ihren anhaltenden nationalen Streik um weitere Zeit verlängert, um gegen geplante Reformen ihres Berufsstandes zu protestieren. Der Protest, der bereits vor fast drei Monaten begann, richtet sich gegen Gesetzesänderungen, die nach Ansicht der Anwaltskammer die Unabhängigkeit der Justiz und die berufliche Autonomie der Juristen untergraben.

Die streikenden Anwälte kritisieren insbesondere Bestimmungen, die den staatlichen Einfluss auf die Organisation der Kammern erhöhen und disziplinarische Maßnahmen erleichtern könnten. Sie befürchten, dass diese Regelungen politisch motivierte Eingriffe in ihre Arbeit ermöglichen. Zahlreiche Gerichtsverhandlungen in mehreren Städten wurden bereits verschoben oder abgesagt, da die Anwälte Boykottaufrufe befolgen und keine Prozesse vertreten.

Zunehmender Druck auf das Justizsystem

Der anhaltende Arbeitskampf wirkt sich zunehmend auf das Funktionieren des marokkanischen Justizsystems aus. Beobachter warnen vor einer Blockade großer Teile der juristischen Verfahren, was wiederum die Rechtssicherheit im Land beeinträchtigen könnte. Die Regierung hat bislang keine konkreten Zugeständnisse gemacht, doch Gespräche zwischen Vertretern der Anwaltschaft und Ministerialbeamten werden als dringend notwendig erachtet.

Die Anwaltskammer betont, dass der Streik so lange fortgesetzt werde, bis ein Dialog auf Augenhöhe erfolge und die strittigen Passagen des neuen Berufsgesetzes überarbeitet würden. Die Bewegung genießt Sympathie in breiten Teilen der Zivilgesellschaft, die sie als Verteidigung der rechtsstaatlichen Prinzipien werten.

Quellen: Africanews EN