Die marokkanische Stadt Ceuta blieb am Montag ruhig, obwohl Spanien und Marokko weiterhin in diplomatischen Spannungen stehen. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, wird die marokkanische Regierung in Rabat dafür kritisiert, Migration gezielt als Druckmittel in der Außenpolitik einzusetzen – ein Vorgehen, das international mit Argusaugen beobachtet wird.
Ähnlich wie andere Staaten, darunter die Türkei unter Erdoğan oder Weißrussland unter Lukaschenko, verfüge Marokko über die Fähigkeit, den Migrationsfluss in Richtung Europa gezielt zu regulieren – oder auch vorübergehend zu lockern. In der Vergangenheit hatte Rabat bereits mehrfach die Kontrollen an den Grenzen zu den spanischen Exklaven Ceuta und Melilla gelockert, was zu Anstürmen durch Migranten führte. Solche Aktionen galten oft als Reaktion auf diplomatische Unstimmigkeiten mit Madrid oder der EU.
In den letzten Tagen jedoch bleibt die Lage an der Grenze ungewöhnlich ruhig. Dies wird als Zeichen dafür gewertet, dass Marokko seine Migrationspolitik weiterhin strategisch steuert – abhängig von den jeweiligen politischen Interessen. Beobachter sehen darin eine fortgeschrittene Form der hybriden Diplomatie, bei der nicht militärische, sondern menschliche Bewegungen als Hebel eingesetzt werden.
Die Europäische Union steht vor der schwierigen Aufgabe, mit einem wichtigen Partner wie Marokko zusammenzuarbeiten, das gleichzeitig über erheblichen Einfluss auf die Migration nach Europa verfügt. Die aktuelle Ruhe an der Grenze könnte daher weniger auf eine dauerhafte Stabilität hindeuten, sondern vielmehr auf eine vorübergehende diplomatische Entspannung.
Quellen: FAZ Online