Am Samstag haben Betroffene der chronischen Erkrankung Myalgische Enzephalomyelitis (ME) sowie deren Angehörige auf dem Erfurter Fischmarkt protestiert – mit einer kreativen, aber eindringlichen Aktion. Vor dem historischen Rathaus wurden 15.000 Paar Socken aufgehängt, eine Zahl, die symbolisch für die geschätzte Anzahl schwerstbetroffener ME-Patienten in Deutschland steht. Die Aktion sollte verdeutlichen, dass diese Menschen aus dem öffentlichen Leben verschwunden sind und sich oftmals vergessen fühlen.
Die Organisatoren fordern mehr Aufmerksamkeit für die bis heute wenig erforschte Krankheit, die durch extreme Müdigkeit, Muskelschmerzen und Unverträglichkeit gegenüber körperlicher wie geistiger Belastung gekennzeichnet ist. Viele Betroffene sind auf Haus- oder gar Bettlägerigkeit beschränkt. Neben einer intensivierten Forschungsförderung verlangen die Aktivist:innen auch sogenannte „stille Stunden“ in öffentlichen Gebäuden, um sensorisch überlasteten Patienten Zugang zu Ämtern und Dienstleistungen zu ermöglichen.
Das Rathaus in Erfurt, eines der bekanntesten spätgotischen Bürgerhäuser Deutschlands, wurde damit zum Zentrum einer bundesweit beachteten Protestaktion. Die friedliche Kundgebung unterstreicht den dringenden Bedarf an gesellschaftlicher Sensibilisierung und medizinischer Anerkennung von ME als schwerer Funktionsstörung – nicht als psychisches Problem.
Quellen: MDR – Nachrichten