Sachsens Regierungschef Kretschmer fordert Ende der ‚Brandmauer‘ zur AfD

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat die bisherige strikte Distanz der Union zur AfD offen hinterfragt und eine grundsätzliche Neuausrichtung im Umgang mit der Partei angeregt. In einem Gespräch mit dem Handelsblatt erklärte Kretschmer: „Wer noch über Brandmauern redet, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt.“ Angesichts der politischen Realitäten im Osten Deutschlands forderte er, dass man „mit jedem reden [müsse], der reden will“.

Kretschmer verwies auf die etablierten parlamentarischen Strukturen im sächsischen Landtag, wo er einen sogenannten ‚Konsultationsmechanismus‘ eingeführt habe. Dieser ermögliche einen informellen Austausch mit allen im Parlament vertretenen Fraktionen, auch mit der AfD, ohne dass es eine formelle Zusammenarbeit oder Koalition bedeute. Der CDU-Chef betonte, es gehe nicht um Bündnisse, sondern um die sachliche Behandlung von Themen wie Wirtschaft, Infrastruktur und Sicherheit.

Die Äußerungen lösten heftige Reaktionen innerhalb der CDU aus. Während einige sächsische Funktionäre Kretschmers pragmatischen Ansatz begrüßten, kritisierten andere Mitglieder aus Bund und Land, dass jede Form des Dialogs mit der AfD demokratiepolitische Tabus breche. Die Debatte zeigt die wachsende Spannung innerhalb der Union angesichts der stabilen AfD-Stärke in Sachsen und anderen ostdeutschen Bundesländern.

Kretschmers Vorstoß erfolgt vor dem Hintergrund der anstehenden Landtagswahlen in der Region und könnte die strategische Ausrichtung der CDU besonders im Osten erheblich beeinflussen. Ob diese Haltung zu einer neuen Normalität im Umgang mit der AfD führt oder innerparteiliche Spaltungen vertieft, bleibt abzuwarten.

Quellen: Welt Online, MDR – Deutschland