Tigray vor neuer Hungersnot: Politik und Dürre verschärfen Krise

In der äthiopischen Region Tigray wächst die Angst vor einer erneuten humanitären Katastrophe. Trotz des offiziellen Ende des Bürgerkriegs im Jahr 2022 steht die Bevölkerung erneut vor einer schweren Krise. Im Juni 2026 waren Landwirte in der Umgebung der Hauptstadt Mekelle noch immer damit beschäftigt, Ackerflächen vorzubereiten, Dünger auszubringen und nach Saatgut zu suchen. Doch die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Aussaat sind dramatisch: Dünger kostet mit 13.000 Birr pro Quintal fast das Fünffache des nationalen Durchschnittspreises von 2020.

Hinzu kommt ein akuter Mangel an Bargeld, da Banken Auszahlungen einschränken. Gleichzeitig sind Kraftstoff und landwirtschaftliche Inputs schwer erhältlich. Die Versorgungslage wird weiter verschärft durch Gerüchte über eine mögliche Wiederaufnahme bewaffneter Auseinandersetzungen – eine Entwicklung, die Investitionen und Hilfsmaßnahmen weiter behindert.

Experten warnen, dass politische Entscheidungen die natürlichen Herausforderungen wie verspätete Regenfälle noch verschärfen könnten. Schon jetzt steht die Region am Abgrund einer neuen Hungersnot, bei der die Bevölkerung nicht nur unter klimatischen Bedingungen leidet, sondern vor allem unter den langanhaltenden Folgen von Konflikt, wirtschaftlicher Blockade und unzureichender Unterstützung.

Quellen: AllAfrica – East Africa, AllAfrica – Ethiopia